(Letzer Eintrag: 07.3.2010 (18:49))
(Letzer Eintrag: 22.07.2010)
NRZ Dinslaken-Voerde-Hünxe Samstag 2010.07.17
Panne beim Deichbau
Voerde. Nach ersten Schätzungen 6000 bis 8000 Kubikmeter des im Zuge der Deichsanierung verbauten Materials müssen ausgetauscht werden.
Im Rahmen von routinemäßigen Überprüfungen wurde festgestellt, dass das Material nicht den im Planfeststellungsbeschluss geregelten Qualitätsansprüchen genügt und ersetzt werden muss. Betroffen ist das Deichbauprojekt Mehrum 2 zwischen Storchennest und Nato-Rampe. Der Deichverband hat in Abstimmung mit der Bezirksregierung die durchführende Arbeitsgemeinschaft dazu aufgefordert, das Material schadens- und kostenfrei zu ersetzen. Mit der Maßnahme soll am kommenden Montag begleitend zu den Baumaßnahmen begonnen werden, in etwa zwei Wochen soll der normale Arbeitsablauf wieder hergestellt sein, so Deichgräf Hans-Dieter Langenfurth. Eine Verlängerung der Maßnahme (und damit der L4-Sperrung) erwartet Langenfurth nicht. Auch wenn das jetzt zu entfernende Material unbedenklich sei, lediglich den vereinbarten Qualitäten nicht entspreche, bittet der Deichverband das wegen des Austauschs zu erwartende höhere Verkehrsaufkommen zu entschuldigen.
Westen Dienstag 2010.07.13
Zwei gute Tage für die Kohle
Kamp-Lintfort. Dass die Steigerung des Abbautempos im Flöz Albert 1 auf eine Strecke von 15 Metern pro Tag (im Flöz Girondelle 5 zehn Meter) keine nachteiligen Auswirkungen auf die Oberfläche habe, bekam die Kamp-Lintforter Verwaltung von der Bezirksregierung Arnsberg zu hören.

Das Bergwerk Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort. Foto: Hans Blossey
Dennoch hätte sich Wolfgang Evertz (CDU) lieber eine fachkundige Aussage von externer Stelle gewünscht.
Doch letztlich stimmten im Rat gestern lediglich die Grünen gegen die zusätzlichen Abbaupläne. Dazu machte Jürgen Bachmann deutlich, dass dann parallel in Girondelle 5 und Albert 1 Kohle abgebaut werde. „Das wird mächtig rappeln im Karton“. Die Grünen befürchten, dass durch den Abbau in Albert 1 allerlei Versorgungsleitungen und auch Denkmäler in Mitleidenschaft geraten.
Und Heinz-Peter Ribbrock (FDP) sieht nachteilige Auswirkungen für den Flugplatz Saalhoff. Jürgen Preuß (SPD) freute sich, dass die Verwaltung in der Stellungnahme der Stadt hervorgehoben habe, dass die berechtigten Interessen der Bürger nicht zurückstehen dürften.
Der Dienstag war aus Sicht des Bergwerks West schon ein guter Tag. Dasselbe, urteilt der Betriebsratsvorsitzende Friedhelm Vogt, kann man vom heutigen Mittwoch im Hinblick auf den Steinkohlebergbau insgesamt sagen, wenn die neue rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf antritt: „Die Koalitionsvereinbarung ist besser, als ich zu hoffen gewagt hatte.“
Grund für Friedhelm Vogts Zufriedenheit ist der Satz in der Vereinbarung, wonach die Koalitionspartner das Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 nicht in Frage stellen. „Wenn die Bundesregierung Ende 2012 den Sockelbergbau beschließt“, schlussfolgert Vogt, „dann wird sich diese NRW-Landesregierung nicht dagegen wenden.“ Dabei habe er ursprünglich befürchtet, dass die Grünen diese Formulierung nicht akzeptieren würden. „Außerdem verspricht die Koalition, zur Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen beizutragen, falls Berlin gegen den Sockelbergbau entscheidet“. so Vogt. „Besser konnte es für uns gar nicht laufen.“
Westen Donnerstag 2010.07.08
Endzeit für die Kohle
Essen. Im rot-grünen Koalitionsvertrag wird nicht nur eine Wende der Energiepolitik in NRW eingeleitet. Es geht um mehr. SPD und Grüne führen einen Großangriff auf den bislang wichtigsten Energieträger des Landes: die Kohle.

Kumpel, pass auf: Die neue Landesregierung hat nicht viel für die Kohle übrig. Foto: Jakob Studnar
Die Kohle ist kurz vor dem Ende. Dies kann man schon am Beispiel des Kohlekraftwerkes in Datteln sehen. Für das nahezu fertiggebaute Milliardenprojekt von Eon sind die Aussichten, doch noch ans Netz zu gehen, weiter gesunken. Denn Rot-Grün hat die Daumenschrauben angelegt.
Die „Lex Eon“ soll gekippt werden. Das heißt: Klimaschutz, erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung (Nutzung der Abwärme aus den Kraftwerken) werden wieder als gesetzliche Landesziele verankert. CDU und FDP hatten die Paragrafen zugunsten von Eon gestrichen, weil das Oberverwaltungsgericht in Münster die Baugenehmigung des Mega-Steinkohleblocks für nichtig erklärt hatte, da bei der Planung des Kraftwerks eben jene Grundsätze vernachlässigt worden waren.
Klimaschutzgesetz soll her
Ohne „Lex Eon“ muss der Stromkonzern wieder bei null anfangen. Gleichzeitig geht die SPD, die bislang an Datteln als industriepolitisch bedeutsames Projekt festgehalten hatte, weiter auf Distanz. Man gebe Eon die Gewähr, das Kraftwerk nicht schlechter zu stellen als zum Zeitpunkt der Antragstellung 1995, so SPD-Unterhändler Nobert Römer. De facto aber heißt das: Die Gerichte sollen entscheiden, die Politik hält sich raus.
Mehr noch: Künftig sollen Kohlekraftwerke nur noch dann genehmigt werden, wenn der Betrieb nicht im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen steht. Das wollen SPD und Grüne in einem Klimaschutzgesetz festschreiben. Es soll zum zentralen Instrument in der Energiepolitik werden. „Erneuerbaren Energien ist der Vorrang vor allen anderen Energieträgern einzuräumen“, heißt es. Die Grünen glauben: Für den fossilen Kraftwerkspark hat die Endzeit begonnen. Mittelfristig will die Landesregierung die Zahl der Standorte für Großkraftwerke von 36 auf ein halbes Dutzend reduzieren.
Angriff auf Braunkohle
Damit nicht genug. Selbst bislang heilige Kühe werden aus dem Artenschutz entlassen. Die Braunkohle etwa wird zum Auslaufmodell degradiert. So heißt es im Koalitionsvertrag, im Braunkohlerevier soll ein Strukturwandel eingeleitet werden, wie man ihn aus dem Ruhrgebiet kennt. So soll aus dem Gebiet um Garzweiler eine „Innovationsregion Rheinisches Revier“ werden. Gemeinsam mit dem Versorger RWE Power soll eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 95 Prozent bis 2050 verabredet werden. Faktisch bedeutet dieser Punkt das absehbare Ende der Braunkohleverstromung – eine 95-prozentige Senkung ist eigentlich nur zu erreichen, wenn die Kraftwerke ausgeschaltet werden. Zudem ergibt sich aus dem Vertrag, dass Rot-Grün keinen weiteren Tagebau wie Garzweiler genehmigen wird. Das heißt: Sobald die erschlossenen Lagerstätten ausgebeutet sind, wäre sowieso Schluss mit der Braunkohle. In Garzweiler wird dies etwa 2045 der Fall sein
Zuletzt muss auch die Steinkohlefraktion unter dem Angriff von Rot-Grün leiden. Man halte sich an den Ausstiegsplan für 2018, heißt es. Allein 2012 soll noch mal geschaut werden, ob der weitere Bergbau machbar ist. Allerdings unter Finanzvorbehalt. Nur wenn NRW nichts bezahlen muss, darf auch weiter Kohle geschürft werden.
NRZ Donnerstag 2010.07.08
Harte Zeiten. für die Kohlefraktion
Nicht nur Grüne wollen eine ambitionierte Klimapolitik
Die meinen es ernst. Uneingeschränkter Vorrang für erneuerbare Energien, der Rückzug aus der Braunkohle, ein eigenes Klimaschutzgesetz, keine Landesunterstützung für das verkorkste Kraftwerksprojekt Datteln, realistische Ziele bei CO2-Einsparung und und und... Klarer Fall, hier will jemand den Einstieg in die energie- und klimapolitische Wende. Und das sind hier und heute eben nicht nur die Grünen, die Vergleichbares gerne schon in den Koalitionsverträgen von 1995 und 2000 gelesen hätten. Nein, in diesem Fall hat die SPD-Verhandlungsdelegation mitgespielt. Nanu?
So mancher Genosse, der sein Parteibuch in der Schublade direkt neben dem Mitgliedsheft der IGBCE liegen hat, wird sich entsetzt die Augen reiben. Er wird sich fragen, ob die SPD noch seine Partei ist. Möglich aber auch, dass er sich über nichts mehr wundert, seit ein Sigmar Gabriel als Bundesumweltminister die Klimapolitik für sich entdeckte - und später als SPD-Chef die Grünen. An diesem Koalitionsvertrag hat die Bundes-SPD aus der Ferne mitgeschrieben. Im Zusammenspiel mit der Ökopartei darf nichts schief gehen. Hinzu kommt aber, dass sich die SPD gewandelt hat und weiter wandelt. Nicht nur das Ruhrgebiet und demnächst wohl auch das rheinische Braunkohlerevier erleben einen Strukturwandel. Die Partei, die lange Hüterin der Kohle war, macht eine ähnliche Erfahrung. Sie entwickelt neues Personal und entdeckt den Klimaschutz als Zukunftsthema für sich - übrigens auch für den Arbeitsmarkt.
Trotzdem: Die Energiepolitik bleibt Zündstoff für die rot-grünen Koalitionäre. Das wird der SPD-Parteitag in Köln zeigen -und das wird auch die weitere Zukunft zeigen, wenn im Behördenverfahren übers Kohlekraftwerk Krefeld gestritten wird. Die Grünen dürfen ihren Partner nicht überfordern. 80% der Energieerzeugung in NRW beruhen auf Kohle. Das ändert man nicht von heute auf morgen.
Westen Montag 2010.07.05
Förderung am Bergwerk West eingebrochen
Kamp-Lintfort. Die Produktion am Bergwerk West ist im ersten Halbjahr offenbar dramatisch eingebrochen. Kein Geringerer als der Vorstandsvorsitzende der RAG, Bernd Tönjes, nutzte die Betriebsversammlung am Sonntag in der Glückaufhalle, um den Kumpeln klar zu machen, dass auch das auslaufende Bergwerk „bis Jahresende noch einen erheblichen Beitrag zum Ergebnis des Gesamtunternehmens leisten muss“.

Genaue Förderzahlen wollte der neue Bergwerks-Chef, Karl-Heinz Stenmans (55), vor der Presse nicht nennen. Er räumte aber ein: „Sie sind nicht gut. Ich war enttäuscht, als ich sie gesehen habe.“ Im Moment steige die Produktion, gleichwohl sei es eine „sehr anspruchsvolle Aufgabe, die Planzahlen noch zu erreichen. Machbar ist es.“ Ursache der Probleme seien schwierige geologische Bedingungen. Die Entwicklung setzte die RAG unter Zugzwang, weil geringere Förderung die Kosten pro Tonne Kohle erhöht. Solche Schwankungen sind, da das Bergwerk West nur noch eine von vier Zechen ist, nicht mehr so leicht auszugleichen wie früher.
Karl-Heinz Stenmans wies die Annahme zurück, dass der überraschende Hals-über-Kopf-Rücktritt von Reinhard Fox als Direktor des Bergwerks West die Folge der miesen Produktionsergebnisse sei. Vielmehr seien persönliche Gründe ausschlaggebend gewesen. Fox ist allerdings nicht nur von seinem Posten zurückgetreten, sondern komplett aus dem Unternehmen ausgeschieden, so Stenmans.
Vortriebskolonnen bereiten den Abbau neuer Kohlefelder vor. Ihr Abzug ist ein unübersehbares Zeichen, dass auf dem Bergwerk West Ende 2012 tatsächlich Schluss ist. Wie Personaldirektor Peter Ermlich am Sonntag auf der Betriebsversammlung mitteilte, ist eine Kolonne aus Kamp-Lintfort bereits verlegt, eine weitere wird noch in diesem Jahr geschlossen zur Zeche Prosper Haniel verlegt. Die beiden letzten folgen im ersten Quartal 2011. Insgesamt 3321 Mitarbeiter hatte das Bergwerk West Anfang dieses Jahres, am Ende werden es 2862 sein. Zum Monatsbeginn sind allerdings nochmal 68 Kumpel vom Bergwerk Ost an den Niederrhein verlegt, um die Abbaumannschaft zu verstärken. Erfreulicherweise gab es weniger Unfälle, es waren statistisch 7,2 pro eine Million Arbeitsstunden. Bergwerkschef Karl-Heinz Stenmans: „Diese Zahlen begeistern.“
Westen Dienstag 2010.06.29
Wenn die Dämme wanken
Marl. Die Verstärkung und Erhöhung des Lippedeiches steht nicht zur Debatte. Allerdings kommt das vom Lippeverband präferierte Modell, eine Verlegung der Hochwasser-Schutzanlage mit massiver Ausweitung der Auenlandschaft, für den Chemiepark Marl überhaupt nicht in Frage.

Der Lippe-Deich in Haltern-Lippramsdorf. Im Hintergrund ist der Marler Chemiepark zu sehen. Foto: Reiner Kruse
Um seine Interessen eindeutig darzustellen, hat er eine wortkarge, aber inhaltlich klar formulierte Mitteilung herausgegeben, der von Evonik am Montag auf WAZ-Nachfrage nichts hinzugefügt wurde. Wörtlich heißt es da:
„Der Chemiepark Marl ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. Die geplanten Maßnahmen einer Deichverlegung dürfen nicht dazu führen, dass die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Chemieparks deutlich eingeschränkt werden. Daher muss zwischen den Maßnahmen für die Umsetzung des Hochwasserschutzes, der faktischen Erweiterung des Naturschutzgebietes (FFH-Gebiet) durch eine Deichverlegung und den Belangen des Chemieparks sorgfältig abgewogen werden. Vor diesem Hintergrund lehnen wir die Pläne zur Deichverlegung ab.“
Das Planfeststellungsverfahren der Bezirksregierung läuft. In den Rathäusern in Marl und Haltern am See liegen die Unterlagen bis zum 7. Juli aus. Die Verwaltungen haben bis Ende September Zeit, Stellung zu nehmen.
Die Unterlagen liegen bis zum 7. Juli aus
Bisher war der Lippeverband zuversichtlich, eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden zu haben. Für Bergbau und Naturschutz, Hochwassersicherheit und Chemiepark, auch mit Blick auf den richtigen Abstand der neuen Dämme zur Wohnbebauung Mersch in Haltern-Lippramsdorf. Dort würden sie bis zu 14 Meter hoch über die Landschaft ragen.
Die Bauzeit der Deiche würde zwei bis drei Jahre dauern, erläuterte der Verband, viel zeitaufwändiger seien die anschließenden Bodenmodellierungen zwischen den Deichen (weitere ca. fünf Jahre). Die Kosten würden rund 85 Millionen Euro betragen. Zahlen würden das Land NRW zum einen und der Bergbau als Verursacher (Absacken der Landschaft) zum anderen. Durch die Verlegung der Lippe würden 60 Hektar Auenlandschaft neu geschaffen.
Mit der Evonik-Stellungnahme geraten die Dämme ins Wanken.
Die Politik ist nun gefragt, stärker denn je. Denn es läuft auf einen Machtkampf zwischen Natur und Arbeitsplätzen hinaus. Wieder einmal. In Marl warnte unlängst Jens Vogel (SPD) als Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, er sei besorgt um die Auswirkungen der Pläne auf den Chemiepark. „Es darf nicht so sein, dass es Beschränkungen für ihn gibt.“
Genau die scheint Evonik zu befürchten. Mit Recht. Da wäre die Ausweitung der Auenlandschaft (FFH-Gebiet). Sie besitzt für die Industrie den Charakter eines enormen Naturschutzprojektes, das neue Vorhaben (wie das Steinkohlekraftwerk) gefährden würde. Oder die Seveso II-Richtlinie. Sie enthält eine Liste an Stoffen, die als gefährlich eingestuft werden. Für Betriebe, bei denen sich solche Stoffe befinden, gelten ganz besondere Auflagen. Etwa ein angemessener Sicherheitsabstand zu Wohn- und Naturschutzgebieten. Der wäre wohl nicht gewährleistet, würde Evonik Land an den Lippeverband abgeben. So würde die Natur der Chemie zu nah rücken.
Oder § 50 des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Auch er schützt bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen Wohnquartiere, wichtige Verkehrswege, Freizeitareale und Naturschutzgebiete vor womöglich schädlichen Umwelteinwirkungen.
Angesichts dessen kann der Chemiepark Marl allein die Verstärkung und Erhöhung der bestehenden Deiche favorisieren.
Westen Freitag 2010.06.25
Bönen erhebt sich
Um acht Zentimeter ist Bönen in den vergangenen 14 Jahren gewachsen. Nicht in Breite oder Länge, sondern in die Höhe.

Messungen haben ergeben, dass sich die Gemeinde Bönen in Teilen um 8 Zentimeter erhoben hat.
Das ergab die Höhenvermessung 2010 im Ruhrgebiet von Geobasis NRW, dem ehemaligen Landesvermessungsamt. Allein seit 2008 hat die Gemeinde noch einmal um zwei Zentimeter zugelegt, wie unsere Zeitung exklusiv erfahren hat. Allerdings nicht auf dem gesamten Stadtgebiet, sondern auf einer Länge von sechs Kilometern in Südbönen. Der Grund: „Es ist so, dass wir in Bönen über einen langen Zeitraum einen Anstieg des Grubenwassers zu verzeichnen haben“, heißt es bei der Abteilung Bergbau und Energie der Arnsberger Bezirksregierung. Sprecher Christoph Söbbeler weiter: „Wichtig ist, dass der Prozess sich langsam vollzieht und das ist in Bönen der Fall.“ Mit seiner Hebung steht Bönen fast allein da im Ruhrgebiet. Lediglich im Raum Waltrop haben die Experten noch eine kleine Hebung verzeichnet. Insgesamt zeigt die Höhenvermessung, dass im Vergleich zur 2008er Messung weniger und auch nicht so starke Senkungen des Geländes auftreten.
Rheinische Post Rheinberg Montag 2010.06.21
Schon etwa ein Meter Schieflage
Rheinberg Der Boden ist von unzähligen Rissen durchzogen. "Hier ist der Beton in dieser Woche durch Pressungen hochgekommen" sagt Otto Pohlmann und deutet auf einen Wulst, der sich durch die große Halle zieht. Es sei nicht so, dass er Bergbau sich nicht darum kümmere: "Hier sind fast ständig Handwerker mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Aber was die heute instand gesetzt haben, ist morgen schon wieder gerissen." Dass die Hallen überhaupt noch stehen, sei wohl nur dem vielen Eisen zu danken, das im Beton eingezogen wurde, um die schweren Maschinen der früheren Textilfabrik hier tragen zu können."
Nicht nur der Boden ist betroffen: Risse ziehen sich durch dicke Betonsäulen. Fenster sind verzogen, Türen lassen sich nicht öffnen. "Für die Hallen 7 und 8 schlägt ein Gutachter des Bergbaus nun sogar vor, die Deckenträger mit Stahlstützen zu sichern – für uns heißt das doch nichts anderes, als dass durch den Bergbau hier die Statik nicht mehr sicher ist", fasst Otto Pohlmann zusammen. Was weder ihn noch den Bergschadensexperten Diplom-Ingenieur Peter Immekus wundert: Nachdem der Bergbau trotz Aufforderung keine Messungen zu den Abbaufolgen in den Messehallen durchgeführt habe, lasse der Eigentümer selbst seit zwei Jahren die Entwicklung beobachten. Ergebnis: Durch den Kohleabbau liege die Südseite des Komplexes heute schon etwa einen Meter tiefer als die Hallen ganz im Norden. Pohlmanns Prognose: "Der gerade begonnene Abbau im letzten Feld wird weitere verheerende Folgen haben!"
Bergbau-Haltung
Bergbau-Sprecher Cremer betonte gestern auf Anfrage der Rheinischen Post, dass der von DS Grundbesitz bezifferte Schadensumfang sicherlich nur deren Ansicht wiedergebe. Der Bergbau habe laufenden Kontakt mit dem Unternehmen und behebe Schäden zügig.
Weitere Kommentare werde die RAG allerdings nicht abgeben, weil ansonsten die privatrechtlichen Beziehungen zwischen den Parteien berührt sein könnten. Es entspreche einer grundsätzlichen Linie seines Hauses, solche Themen nicht nach außen zu kommunizieren.
Anm.BiB-Red.: Die RAG scheut bekanntlicherweise die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser!!!!!
Rheinische Post Rheinberg Montag 2010.06.21
Messe fordert 112 Millionen
Rheinberg Risse im dicken BetonBergbau ramponiert Hallen der Messe Niederrhein. Eigentümerin DS Grundbesitz fordert von der Ruhrkohle AG Schadenersatz in Millionenhöhe und fürchtet, im Extremfall die Tore schließen zu müssen.
Die Reparatur von Bergschäden auf dem Annaberg hat die Ruhrkohle schon viel Geld gekostet. Nun allerdings sieht sich der Bergbau mit einer Schadensersatzforderung von bislang ungeahntem Ausmaß konfrontiert: Satte 112 Millionen Euro fordert die DS Grundbesitz, Eigentümerin der Messehallen Niederrhein von den Kohleschürfern. Fantasterei? "Nein, das ist eine belastbare Zahl", unterstreicht Otto Pohlmann als Vertreter des Eigentümers im Gespräch mit der Rheinischen Post.
Der Betrag, der beim ersten Hinsehen den Atem stocken lässt, ergebe sich als Summe verschiedener Einzelpositionen, die schon seit Jahren aufgelaufen sind bzw. noch anfallen werden. Da sei etwa der Einnahmeausfall, weil z. B. Mieter den durch Bergbaufolgen ramponierten Hallen den Rücken kehren – allein für die Zeit 2010 bis 2014 setzt die DS Grundbesitz dafür knapp 8,5 Millionen Euro Verlust an. Hinzu komme die Wiederherstellung einer eingeschossigen Halle (gut 24 Mio.), Baukosten in einer zweigeschossigen Halle (ca. 38 Mio.), laufende Instandsetzung (13 Mio.), merkantiler Minderwert (fast 11 Mio.) und technischer Minderwert wegen Schräglage (fast 18 Mio.).
Kritik an Abbauplanung
Otto Pohlmann trägt die Zahlen ruhig und sachlich vor. Wie die Schäden entstanden sind, macht ihn indes zornig: "Der Bergbau hat das, was er hier anrichtet, von Anfang an genau gewusst." Peter Immekus, Markscheider und Sachverständiger für Bergbau/Bergschäden, untermauert Pohlmanns These: "Für den Bereich der Messe hätte es einen Sonderbetriebsplan geben müssen." Der sei immer z.B. dann vorgeschrieben, wenn – sinngemäß zusammenfasst – an der Erdoberfläche Gebäude stünden, die durch Bergbautätigkeiten besonders geschädigt werden. Immekus: "Das das für die weitläufigen Messehallen zutreffen würde, ist jedem Fachmann auf den ersten Blick klar."
Dass die RAG dies in ihrer Abbauplanung nicht berücksichtigte, dass sie dem Bergamt als Aufsichtsbehörde keinen entsprechenden Hinweis gab, könnte nach Einschätzung Otto Pohlmanns zur rechtlich erheblichen Konsequenzen führen, für den damals verantwortlichen Bergbau-Markscheider sogar in persönlicher Hinsicht.
Warum die RAG die offensichtlich drohenden Schwierigkeiten mit der Messe ignorierte? Ein möglicher Grund liegt nach Ansicht von Peter Immekus auf der Hand: "Ein Sonderbetriebsplan hätte Auflagen zum Schutz der Messegebäude festgelegt." Durchaus mit der Einschränkung von Abbauflächen – wodurch möglicherweise der Abbau am Annaberg insgesamt für die Ruhrkohle uninteressant geworden wäre.
Nicht mehr als Kosmetik
Darüber zu mutmaßen, helfe heute nicht mehr weiter. "Jetzt wollen wir die RAG dazu bewegen, wenigstens die Schäden zu regulieren, die sie anrichtet", betont Otto Pohlmann. Bislang schicke der Bergbau zwar Reparaturtrupps, doch die könnten nicht mehr leisten als Kosmetik. Pohlmann: "Die grundsätzlichen Schäden bleiben. Wir werden ständig hingehalten – doch so können wir nicht arbeiten." Gebe der Bergbau seine Hinhaltetaktik nicht auf, könnte das den Eigentümer letztlich zu einem drastischen Schritt zwingen: "Wenn wir uns über die Regulierung der Schäden nicht einig werden, müssen wir möglicherweise die Tore zur Messe schließen." Die Verantwortung dafür, dass die Region einen Besuchermagneten verlöre, läge dann beim Bergbau.
Westen Dienstag 2010.06.22
Ein Stadtteil, tiefer gelegt
Wenn’s im Geschirrschrank scheppert oder Gläser klirren, machen viele Kirchhellener den Bergbau dafür verantwortlich. So weit geht die Kölner Bezirksregierung nicht, die nun das Land NRW an 1440 Punkten neu vermessen ließ.

Regierungspräsident Hans Peter Lindlar, Achim Petri vom Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Bottrop und Geodätin Anke Liebig begutachten die Ergebnisse. Foto: Ralph Heeger
Aus der Analyse und der politischen Bewertungen halten sich die Vermessungsingenieure zudem heraus. Fest steht allerdings: Zwischen 2008 und 2010 hat sich die Erde auf der Strecke Kirchhellen - Dinslaken (Schwarze Heide) um 1,24 Meter abgesenkt.
Um die Ergebnisse zu präsentieren, trafen sich die Experten auf der Kirchplatz von St. Johannes. Eine erste Sichtung der Messergebnisse hat ergeben, dass sich der Mauerbolzen am Kirchturm in Kirchhellen auf einer Höhe von 59,85 Meter befindet. 1976 stand er noch 26 Zentimenter höher.
Alle zwei Jahre rücken die Mess-Trupps nach Ostern aus. Der Zeitpunkt ist wichtig, um eine Vergleichbarkeit der Zahlen zu garantieren. Um die Unterschiede millimetergenau zu erfassen, brauchen Heinz Simons und seine Männer jede Menge Geduld. Zwischen zwei Punkten wird Maß genommen. Ähnlich einer Wasserwaage hat man somit eine Vergleichslinie. Diese so genannten Höhenfestpunkte werden markiert. „Am besten eigenen sich Gebäude, die unterkellert sind“, erklärt Simons. In präziser Feinarbeit wird dann geprüft, wie groß die Senken zwischen den Punkten sind. Um eine höhere Genauigkeit zu erreichen, wird die Strecke zweimal vermessen. „Wenn es um Anschlüsse oder Kanalisationen geht, sind die Millimeterangaben wichtig“, weiß Simons. Geodätin Anke Liebig nennt ein weiteres Beispiel, für wen die Daten interessant sein könnten: „Auch für Häuslebauer ist es wichtig, dass sie wissen, auf welcher Höhe die Eingänge im Verhältnis zur Straße liegen.“
22 Stellen sind an dem Projekt beteiligt
Welche Konsequenzen Eigenheimbesitzer oder Bauträger nun ziehen, müssen sie selbst entscheiden. Die Vermessung lege nur die Grundlage. Dass 22 Stellen beteiligt sind - neben den Bezirksregierungen, Kreisen und Städten auch die Ruhrkohle AG, das Wasser- und Schifffahrtsamt sowie die Emschergenossenschaft - zeigt aber, welche Bedeutung die Daten haben. „Klar ist, dass die Messungen auch der Identifikation und Dokumentation von Bodenbewegungen in Bergbaugebieten dienen und damit einen Beitrag zur Schadensregulierung liefern“, so der Kölner Regierungspräsident Hans Peter Lindlar.
Neben dem Bergbau kann es auch geologische Gründe für Absenkungen geben. Und: In den Teilen, in denen die Stollen unterspült wurden, kam es zu einer leichten Anhebung der Gebiete.
Wenn’s mal wieder scheppert: Die Daten werden den Verbrauchern kostenlos zur Verfügung gestellt.





